Rauchfrei ins neue Jahr – so kann das Internet helfen

Die hoffentlich letzte Zigarette
Die hoffentlich letzte Zigarette

Goodbye, Kippe – Online-Raucherprogramme im Vergleich

Inhaltsverzeichnis

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    Mit dem Rauchen aufhören – das kann so schwer doch nicht sein, oder? Mark Twain soll es angeblich tausend Mal geschafft haben. Wie dem berühmten Schriftsteller geht es wohl einer ganzen Menge von Rauchern: sie kommen nicht vom Glimmstängel los. Auch zum Jahreswechsel gehört der Rauchstopp zu den absoluten Klassikern der guten Vorsätze – aber irgendwie ist die berühmte letzte Zigarette dann eben doch nicht die letzte. Was tun?
    Hilfe verspricht das Internet: Eine unüberschaubar große Zahl an Angeboten im Netz soll helfen, dem blauen Dunst dauerhaft abzuschwören. Die Hemmschwelle ist niedriger, denn anders als bei Selbsthilfegruppen in der realen Welt kann man diese Unterstützung anonym in Anspruch nehmen. Das ist hilfreich, wenn man sein Vorhaben nicht an die große Glocke hängen möchte – etwa aus Angst vor Druck von außen.
    Aber führen die Web-Seminare, Rauchfrei-Videos und anderen Online-Hilfen wirklich zum Erfolg? Das Online-Serviceportal VerbraucherWelt.de hat das Netz durchforstet und die vielversprechensten Angebote herausgesucht.

    Kenne deinen Feind – Infos aus dem Netz

    Klar, Rauchen ist nicht nur schlecht für die Gesundheit, sondern geht auch kräftig ins Geld. Für viele Raucher ist das nichts Neues – wer aber doch sein Gedächtnis auffrischen will, findet im Internet mehr als reichlich Informationen darüber, was die Zigaretten dem eigenen Körper so alles antun. So weist etwa die Deutsche Krebsgesellschaft auf das höhere Risiko für Lungen-, Darm- und Leberkrebs, Typ-2-Diabetes, Tuberkulose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Rauchern hin. 121.000 Menschen in Deutschland sollen demnach 2013 an den Folgen des Rauchens gestorben sein. Laut der WeltgesundheitsorganisationWHO gehen in Europa sogar 16 Prozent der Todesfälle bei Über-30-Jährigen auf das Konto von Tabakkonsum.
    Für viele Raucher mögen diese Zahlen sehr abstrakt sein – doch das Deutsche Krebsforschungszentrum hat eine anschauliche Grafik zusammengestellt, die zeigt, welche konkreten gesundheitlichen Nachteile das Rauchen mit sich bringt. Eine Liste der krebserregenden Stoffe im Tabakrauch ist ebenso vorhanden wie eklige Bilder mit Teerlungen, Raucherbeinen & Co.
    Auch gerne von Rauchern genutzte Argumente werden von der WHO entkräftet: Zwar kurbeln Raucher über die Tabaksteuer die Wirtschaft kräftig an, zugleich belasten sie aber überdurchschnittlich stark das Gesundheitssystem und machen den Steuerbonus damit mehr als zunichte. Auch deshalb verliert das Rauchen zunehmend an Akzeptanz in der Gesellschaft: Viele Länder verschärfen zudem seit einiger Zeit die gesetzlichen Einschränkungen für Raucher, wie aus einer Übersicht der Europäischen Kommission hervorgeht.
    Das Internet bietet also jede Menge Infos, warum Rauchen keine gute Idee ist. Für manche genügt schon dieses Wissen, um mit dem Rauchen aufzuhören.

    Tipps per Klick – Ratgeber im Internet

    Einigen Rauchern reicht es nicht aus, die Gefahren des Tabakkonsums zu kennen. Zahlen und Statistiken sind oft trockene Lektüre und haben mit der gefühlten Lebenswirklichkeit nicht viel zu tun. Für diese Menschen spielt das Internet seine Stärken voll aus: Bei interaktiven Ratgebern kann man etwa herausfinden, wie wichtig einem das Rauchen ist und wie man seine Motivation steigern kann, aufzuhören. Diese Angebote können helfen, sich die Ausmaße der eigenen Tabaksucht vor Augen zu führen und eine individuelle Strategie für den Ausstieg zu entwickeln. Zum Beispiel geben die Teilnehmer an, wie oft sie am Tag ans Rauchen denken oder warum man überhaupt mit dem Tabakkonsum angefangen hat. Auch die Dinge im Alltag, die einem durch das jahrelange Rauchen schwerer fallen als früher, kommen dabei zur Sprache. Weil die Auswertung auf den eigenen Angaben basiert, ist die Erfolgschance größer. Einige Ratgeber untermalen diesen Prozess mit anschaulichen Grafiken, die zeigen, was der Tabak im Körper anstellt. So wird auch verständlich, warum sich der Zigarettenrauch – eigentlich eine hochgiftige Substanz und für die Lungenfunktion denkbar ungünstig – dem Raucher ein gutes Gefühl vermittelt.
    Auch Unterstützung durch andere gibt es im Internet zuhauf: So gibt es spezielle Foren für Nichtraucher und solche, die es werden wollen. Dort tauschen Raucher und Ex-Raucher unter anderem Strategien zum Aufhören aus, sprechen sich gegenseitig Mut zu und geben bei Fehlschlägen Tipps, wie es beim nächsten Mal besser klappen könnte. So hat man trotz Internet-Anonymität den Rückhalt der Gruppe, der vielen sehr helfen kann.

    Erfolg programmiert? – Nichtraucher-Kurse im Netz

    Einige Internetangebote gehen sogar noch einen Schritt weiter. Sie leiten die Benutzer durch mehr oder weniger umfangreiche Programme, in denen die Sucht bekämpft werden soll. Einige kann man sofort starten, andere erfordern eine kostenlose Registrierung. Auch einige Krankenkassen bieten Online-Nichtraucherkurse an, zum Beispiel die DAK und die AOK (nur für Mitglieder). Darüber hinaus gibt es Bezahlangebote im Internet, die beim Rauchausstieg helfen sollen. Einige davon sind speziell auf eine bestimmte Gruppe zugeschnitten. Im Gegensatz zu den kostenlosen Hilfen gibt es in diesen Fällen persönliche Betreuung, zum Beispiel eine Rückfall-Hotline, extra zugeschnittene Exit-Strategien oder individuelle E-Mails zur Unterstützung.

    Im Internet gibt es viele kostenlose und kostenpflichtige Rauchentwöhnungskurse. Sie unterscheiden sich zum Teil stark in ihrer Herangehensweise und eignen sich dadurch für den einen besser, für den anderen weniger. Im Folgenden stellen wir einige kostenfreie Angebote mit ihren Stärken und Schwächen vor.

    Gesundheits-Akademie (Wort & Bild Verlag/Apotheken Umschau)

    Die Gesundheits-Akademie bietet unter „Meine Gesundheitsakademie“ einen Online-Coach zum Rauchstopp an. Dabei handelt es sich um ein Angebot des Wort & Bild Verlags, der unter anderem die Apotheken Umschau vertreibt. Eine Registrierung ist möglich, aber nicht zwingend nötig – auch ohne Anmeldung kann man den Kursus jederzeit unterbrechen und an derselben Stelle wieder aufnehmen.
    Man merkt dem Online-Angebot an, dass ein professioneller Verlag dahinter steht. Der Nichtraucher-Kursus ist schlicht, aber ansprechend gestaltet und hat eine klar verständliche Struktur. Der fachliche Hintergrund der Betreiber wird auch in den Inhalten deutlich: Sie enthalten viel medizinisches Fachwissen, werden aber verständlich vermittelt. Besonders anschaulich sind interaktive Grafiken, die in unregelmäßigen Abständen eingebunden werden. In den Texten wird die Illusion des Genusses systematisch zerlegt. In interaktiven Elementen wird unter anderem erläutert, welche gesundheitlichen Vorteile der Rauchstopp mit sich bringt und wie viel Geld man beim Verzicht auf Glimmstängel spart. Nette Ideen sind auch ein vorformulierter Vertrag, den man mit sich selbst schließen kann, und ein „Abschiedsbrief“ an die Zigaretten. Etwas überflüssig und albern ist einzig das „Zigaretten-Spiel“, in dem man mit der Maus Zigarettenschachteln in einer Art Suchbild wegklicken soll.
    Grundsätzlich motiviert der Online-Coach mit seiner „Es ist nie zu spät“-Einstellung und gibt hilfreiche Tipps für den Alltag, anstatt mit belehrendem Zeigefinger zu nerven. Auch die Möglichkeit zum Verschieben oder gar zum Abbruch werden eingeräumt – dadurch fühlt man sich als Nutzer nicht bevormundet. Auch einige Überraschungen hält das Programm bereit: So soll man bei einer letzten Zigarette darüber nachdenken, wie man eigentlich zum Rauchen gekommen ist und was man dabei gefühlt hat – diese unkonventionelle Taktik dürfte bei einigen durchaus effektiv sein. Insgesamt hinterlässt der Nichtraucherkursus der „Gesundheits-Akademie“ einen positiven Eindruck; das Angebot könnte bei vielen Rauchern den richtigen Ton treffen und sie so zum Aufhören motivieren.

    VORTEILE

    • keine Registrierung nötig
    • Inhalte interessant aufgearbeitet
    • Schreibstil sachlich, aber kurzweilig
    • viel Interaktivität
    • Illusion von „Genuss“ wird systematisch dekonstruiert
    • Reihenfolge frei wählbar
    • positive Grundaussage („es ist nie zu spät“)
    • bietet Alternativen an
    • durchdachte Extras, zum Beispiel Rauchertagebuch, Ausstiegsvertrag

    NACHTEILE

    • Minispiele zum Teil sehr albern

    Online Selbsthilfe Tabak (salus Materialien GbR)

    Einen Online-Kursus zum Nichtrauchen hält auch die Seite Online Selbsthilfe Tabak bereit. Das Angebot stammt von der salus Materialien GbR, einer Tochterfirma der salus Kliniken GmbH. Anders als bei der „Gesundheits-Akademie“ ist hier eine Registrierung nicht nur nötig, sondern auch sinnvoll, denn der Begriff „Programm“ trifft deutlich eher zu. Sechs Wochen lang soll der Nichtraucher in spe sowohl sein Verlangen nach Nikotin als auch den tatsächlichen Konsum dokumentieren. Erfolge, aber auch Rückschläge spiegeln sich Form einer Punktzahl wider. Punkte sammeln kann man dabei nicht nur durch den Verzicht aufs Rauchen, sondern auch durch den regelmäßigen Besuch der Internetseite und das Lesen der bereitgestellten Info-Texte. Diese Aufgabenstruktur motiviert Nutzer zum Durchhalten und Weitermachen. Die Punktezahl verbildlicht zudem das Verlangen nach dem Rauchen und macht so den Umgang mit der Sucht leichter.
    Damit der Kursus auch von Erfolg gekrönt wird, ist allerdings einiges an Eigenleistung gefordert. Der Nutzer muss nicht nur sein Rauchverlangen für jeden Morgen, Vormittag, Nachmittag und Abend eingeben – was eine recht mühselige Prozedur ist –, sondern auch eigene Gründe erarbeiten, aus denen er mit dem Rauchen aufhören will. Darin liegt eine der großen Stärken des Kurses: Das Programm konfrontiert den angehenden Nichtraucher regelmäßig mit seinen eigenen Aussagen, anstatt nur vorgefertigte Argumente abzuarbeiten. Das schafft Motivation – denn schließlich hatte man doch selbst zugegeben, dass der Raucherhusten einen nervt. So werden auch typische Rauch-Situationen systematisch aufgedeckt und können so leichter vermieden werden. Zusätzlichen Rückhalt soll ein Forum zum Austausch mit Gleichgesinnten bieten – das ist jedoch leider kaum bevölkert und daher wenig hilfreich. Ein weiterer Makel liegt in der Programmstruktur verborgen: Wenn man alle Aufgaben für den jeweiligen Tag erfüllt hat, gibt es nichts mehr zu tun – selbst, wenn man das gerne möchte. Das kann vor allem den anfänglichen Motivationsschub empfindlich ausbremsen.
    Unterm Strich punktet „Online Selbsthilfe Tabak“ durch ein motivierendes Punktesystem, das Verwenden eigener Nutzertexte und das Bewusstmachen typischer Rauch-Rituale. Ohne Eigeninitiative geht bei diesem Programm allerdings fast gar nichts – wie bei allen Angeboten gilt: Der eigene Wille ist entscheidend.

    VORTEILE

    • macht Fortschritt durch erfüllte Aufgaben greifbar
    • Inhalte ansprechend aufgearbeitet und präsentiert
    • viel Interaktivität
    • Tagebuch-Funktion
    • Ziel und Wunschdatum individuell einstellbar (einmal!)
    • deckt typische Rauch-Situationen des Nutzers auf und hilft, sie zu vermeiden
    • motiviert durch Punktesystem und Goldsternchen
    • konfrontiert Nutzer mit eigenen früheren Aussagen
    • Nutzer muss sich eigene Gründe erarbeiten

    NACHTEILE

    • nicht alle Funktionen von Anfang an verfügbar
    • Wirkweise des Rauchens kaum erklärt
    • ohne eigenen Input passiert nichts
    • einige Texte enden mittendrin
    • Forum (noch) kaum belebt und technisch unausgereift
    • durch täglichen Fortschritt gibt es Punkte, an denen nichts mehr zu tun ist
    • langwieriges Eintragen der Erfolge/Misserfolge (morgens, mittags, abends…)

    Rauchfrei-Info (BZgA)

    Ein Angebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist das Ausstiegsprogramm Rauchfrei. Ähnlich wie bei der „Online Selbsthilfe Tabak“ ist auch in diesem Fall eine kostenfreie Registrierung notwendig, denn das Programm speichert den Tabakkonsum über drei Wochen und zeigt die Erfolge im Profil an. Dabei wird es dem Nutzer leicht gemacht: Einfach die Zahl der am jeweiligen Tag gerauchten Zigaretten eintragen – ein großes Siegel mit der Zahl der rauchfreien Tage und ein Sparschwein mit der gesparten Summe sollen die Motivation steigern.
    Darüber hinaus bietet die Seite eine Menge Info-Materialien, zum Beispiel über die gesundheitlichen Folgen des Rauchens und die Vorteile des Aufhörens. Durchdacht sind kleine Extras wie die Rauch-Strichliste zum Mitnehmen (im Zigarettenschachtel-Format!), die unbewusstem Rauchen – etwa aus Langeweile – vorbeugen soll. Gut gefallen haben uns zudem die täglich wechselnden Tagestipps und die Erinnerungs-E-Mails, die mit Tipps und Fakten zum Dranbleiben motivieren. Eine Community mit Diskussionen, Erfolgsgeschichten & Co. bietet bei Bedarf weiteren Rückhalt. Im Gegensatz zu den obigen Angeboten gibt es bei „Rauchfrei“ jedoch kaum interaktive Inhalte. Fast alle Infos muss sich der Nutzer selbst erlesen. Die sind zwar reichlich vorhanden, aber nicht sehr attraktiv aufbereitet – das machen andere Online-Hilfen besser. Dennoch kann das BZgA-Angebot Rauchern beim Ausstieg aus der Sucht helfen, vor allem die praktischen Tipps für den Alltag und die auf einen Blick ersichtlichen Erfolge sind sinnvoll.

    VORTEILE

    • motivierende Fakten zum Rauchstopp
    • Infos auf Nutzer zugeschnitten (zum Beispiel spezielle Tipps für Frauen und Männer)
    • Hilfszettel zum Mitnehmen (im Zigarettenschachtel-Format)
    • stellt eigene Erfolge gut sichtbar dar (Siegel)
    • Forum
    • kostenloses Beratungstelefon
    • praktische Tipps, zum Beispiel zur Ernährung und Bewegung
    • regelmäßige E-Mails halten Motivation aufrecht

    NACHTEILE

    • Nutzer muss sich den Ablauf selbst erarbeiten
    • wenig Interaktivität

    Just be smokefree (DAK-Gesundheit)

    Viele Raucher fangen schon im Schulalter mit Zigaretten an – und merken bald, dass das scheinbar coole Hobby doch mehr Nach- als Vorteile hat. Das Angebot just be smokefree richtet sich deshalb ausdrücklich an Jugendliche und junge Erwachsene. Das Programm wird zwar von der Krankenversicherung DAK-Gesundheit bereitgestellt, allerdings muss man nicht zwingend Mitglied sein, um am Programm teilzunehmen. Jeder kann sich kostenlos registrieren. Nicht nur bei der Aufmachung ist die Internetseite auf junge Menschen zugeschnitten: Die Optik ist etwas extravaganter als bei vielen anderen Nichtraucher-Programmen, zudem werden die Teilnehmer konsequent geduzt. Dadurch wirkt der Kursus nicht wie von oben herab belehrend, sondern ungezwungen und wie ein Austausch auf Augenhöhe. Glücklicherweise ist das Programm aber auch nicht auf Biegen und Brechen auf hip und cool getrimmt, sondern geht bei der Vermittlung der Infos und Fragestellungen tatsächlich auf die Lebenswelt der Zielgruppe ein. Durch stichhaltige Argumente und Fakten bleiben die Texte dennoch seriös genug, um den Ausstieg ernst zu nehmen.
    Clevere Funktionen sind unter anderem die Analyse der eigenen Rauchgewohnheiten, Tipps gegen unbewusstes Rauchen und Entzugserscheinungen und die interaktiven Tests. Zwar gibt das Online-Angebot auch Argumente für und gegen das Rauchen vor – ganz wichtig sind aber auch selbst ausgearbeitete Gründe. Das sorgt für mehr Motivation. In diesem Zusammenhang werden auch häufig genannte Ausreden entkräftet – auch hier trifft der lockere Stil den richtigen Ton, ohne anbiedernd zu wirken. Etwas Konzentration sollte man für den Kursus allerdings mitbringen, denn die Navigation erschließt sich nicht immer von selbst: Die einzelnen Abschnitte werden immer nur dann freigeschaltet, wenn alle vorherigen Texte und Fragebögen bearbeitet wurden – darauf fehlt aber ab und zu der Hinweis. Außerdem werden in den Fragebögen einige Fragen in sehr ähnlicher Form wiederholt. Insgesamt macht das DAK-Angebot seine Sache allerdings gut: Mit der passenden Aufmachung dürfte der Online-Kursus bei vielen Jugendlichen gut ankommen und helfen, vom Glimmstängel wegzukommen.

    VORTEILE

    • viele Infos rund um Rauchen und Ausstieg
    • richtet sich bewusst an jüngere Zielgruppe (Duzen)
    • lockerer, ungezwungener Stil
    • Interaktive Tests
    • Nutzer müssen sich eigene Gründe erarbeiten
    • Analyse der eigenen Rauchgewohnheiten
    • „Unbewusstes“ Rauchen bekämpfen
    • führt Kosten/Folgen für Gesundheit und Umwelt anschaulich vor Augen
    • bietet Alternativen zum Rauchen an
    • gibt Tipps gegen Entzugserscheinungen
    • Gründe pro Rauchen werden effektiv hinterfragt
    • positive Bestärkung
    • führt eigene Erfolge vor Augen

    NACHTEILE

    • ältere Nutzer fühlen sich durch jugendlichen Stil nicht angesprochen
    • verwirrender Aufbau mancher Tests
    • teils wiederholende Fragestellungen
    • etwas unübersichtliche Navigation

    Viel Rauch um nichts

    Einen ganz anderen Weg als die bisherigen Nichtraucher-Programme geht die Seite Viel Rauch um nichts. Das Angebot geht zurück auf Jürgen Brocke, der unter anderem durch seinen Outdoor-Kanal auf Youtube bekannt ist. Er bezeichnet die Website als Online-Buch, und das aus gutem Grund. Anstelle von Fragebögen gibt es umfangreiche Textpassagen – Lesefaule sind hier an der falschen Adresse. Der Autor geht auf einer sehr persönlichen Ebene auf die Leser ein und schildert auch ausführlich seinen eigenen Weg vom Raucher zum Nichtraucher. Dieser Ansatz ist für diejenigen interessant, die mit dem distanzierten Tonfall vieler Fragebögen-Kurse nichts anfangen können.
    Während viele andere Angebote vor allem auf wissenschaftliche Fakten setzen, ist bei „Viel Rauch um nichts“ eher eine Art spiritueller Reise angesagt. Die Texte werden häufig aufgelockert durch Zitate bekannter Schriftsteller und Philosophen. Auch sonst soll der Leser den Schlüssel zum Nichtrauchen vor allem in sich selbst entdecken. Die Mechanismen der Sucht werden nicht mit chemischen Vorgängen erklärt, sondern mit anschaulichen Metaphern. So wird zum Beispiel die scheinbare Befriedigung der Sucht mit dem Schlag eines Hammers auf die eigenen Finger verglichen – die gefühlte Wohltat ist im Grunde nur die Entspannung vom Schmerz, den man sich zuvor selbst beigebracht hat. Nach diesem Muster wird der Leser dazu ermutigt, den Abschied vom Rauchen aus eigener Kraft zu bestreiten. Natürlich führt aber auch dieses Angebot die negativen gesundheitlichen, finanziellen und sozialen Folgen des Rauchens auf und gibt dem eigenen Kampf gegen den Tabak damit zusätzliche Munition.
    Besonders kurzweilig sind dabei die Videos, die vor allem im abschließenden Drittel des Programms zu finden sind. Werbeclips mit dem HB-Männchen aus den 1960er-Jahren sorgen zwar heute eher für Gelächter – sie sind aber anschauliche Beispiele dafür, mit welchen Mitteln die Tabakindustrie auch heute noch ihre Produkte in ein günstiges Licht rückt. Im Zusammenhang mit den erläuternden Texten bekommen die lustigen Reklamefilmchen plötzlich einen unschönen Beigeschmack. Für einen Aha-Effekt der unangenehmen Art sorgt auch der Anti-Tabak-Song des ehemaligen Marlboro-Mannes – gesungen durch einen künstlichen Kehlkopf. Da vergeht einem der Lungenschmacht nachhaltig.
    Zusammengefasst ist das Programm „Viel Rauch um nichts“ kein Angebot für jedermann. Interaktivität gibt es kaum, dafür jede Menge langer Texte. Die verlangen einiges an Durchhaltevermögen und könnten von einigen Lesern als schwafelig oder abgehoben aufgefasst werden. Andererseits kann genau dieser Ansatz denjenigen helfen, die mit konventionellen Tests und medizinischen Ansätzen nichts anfangen können. Wer also bereit ist für eine eher spirituelle Reise in die eigene Raucher-Geschichte, der ist mit diesem Online-Buch bestens beraten. Die eingestreuten Videos steigern den Unterhaltungsfaktor sehr, allerdings funktionierten zum Testzeitpunkt nicht alle Links zur Video-Plattform Youtube – offenbar waren einige der Inhalte mittlerweile entfernt worden.

    VORTEILE

    • keine Registrierung
    • eher spiritueller/philosophischer Ansatz („Reise zur Erleuchtung“)
    • sehr auf persönliche Ebene zugeschnitten
    • klare Struktur
    • umfangreiche Erlebnisberichte eines Ex-Rauchers
    • Metaphern können bei Verbildlichung helfen
    • führt gesundheitliche/soziale/finanzielle Vorteile des Aufhörens auf
    • Videos lockern Struktur auf
    • enttarnt effektiv Strategien der Werbung
    • zeigt Wirkmechanismus der Sucht

    NACHTEILE

    • Texte oft lang (-wierig)
    • keine Interaktivität
    • wenig fundiertes Wissen (nur Links zu Wikipedia)
    • manche können Stil als schwafelig/ abgehoben empfinden
    • einige Videos gibt es nicht mehr

    Onmeda-Thema: Rauchen (gofeminin.de GmbH)

    Weniger ein Rauchstopp-Kursus als vielmehr eine Sammlung nützlicher Hilfsprogramme ist das Raucher-Thema des Medizin-Portals Onmeda.de. Die Seite gehört zur gofeminin.de GmbH, die Inhalte richten sich jedoch gleichermaßen an Männer und Frauen. Die Internetseite bietet medizinisch fundierte Informationen zur Sucht und ihren Auswirkungen. Zusätzlich gibt es Tipps für den Rauchausstieg, gesetzliche Grundlagen sowie Infos zur Historie des Tabakanbaus und -konsums. Dieses Wissenspaket bietet Rauchern auf dem Weg in die Abstinenz reichlich Argumente und spricht mit seinem nüchternen und sachlichen Stil vor allem den logischen Aspekt des Aufhören-wollens an.
    In diese Kerbe schlagen auch die praktischen Extras auf der Website: Ein Zigaretten-Rechner kalkuliert nach den Angaben des Nutzers, wie viel Geld er im Laufe seiner Raucher-Karriere für sein Laster hinblättern musste. Die Vorgänge während des Rauchens werden in einem ausführlichen Videobeitrag geschildert. Den vielleicht stärksten individuellen Bezug hat der Rauchfrei-Rechner: Nachdem man sein (angestrebtes oder schon erreichtes) Datum der letzten Zigarette eingegeben hat, führt eine Tabelle auf, mit welchen Vorteilen nach welcher Zeit zu rechnen ist.
    Wer sich vor allem von Fakten leiten lässt, hat mit der Onmeda-Themenseite viele gute Gründe, den Glimmstängel endgültig auszudrücken. Die Seite ist übersichtlich und ansprechend gestaltet. Der sehr sachliche Stil und die schiere Menge an Informationen dürfte manche Nutzer jedoch abschrecken. Zudem nimmt einen bei diesem Angebot niemand an die Hand – jeder muss sich den Fortschritt selbst erarbeiten.

    VORTEILE

    • keine Registrierung nötig
    • umfangreiche Informationen
    • anschauliche Darstellung von Kosten und gesundheitlichen Folgen
    • etwas Interaktivität
    • informatives Video

    NACHTEILE

    • nüchterner Stil spricht nicht jeden an
    • jeder muss sich Fortschritt selbst erarbeiten
    • kein „roter Faden“, der Inhalte verknüpft

    Es zeigt sich: Nicht jedes Angebot eignet sich für jeden werdenden Nichtraucher. Die folgende Tabelle fasst die jeweiligen Stärken und Schwächen der getesteten Kurse zusammen.

    Rauchstopp für die Hosentasche – Nichtraucher-Apps fürs Smartphone

    Was nützen einem die Tipps der ausgeklügelten Programme, wenn man sie nicht dabei hat, wenn der Drang nach der Zigarette am größten ist? Mit dem Smartphone haben viele eine Möglichkeit, sich die Online-Unterstützung überallhin mitzunehmen. Mittlerweile gibt es eine große Zahl entsprechender Apps für Apple- und Android-Geräte. Zum Teil gibt es die Hilfsprogramme sogar kostenlos. Wir haben uns einige der beliebtesten Apps einmal angesehen.

    Stop-Tabac (Universität Genf)

    Die von der Universität Genf erstellte App „Stop-Tabac“ nutzt die Vorteile des Smartphones voll aus: Das Programm ist übersichtlich aufgebaut und motiviert mit gut sichtbaren Erfolgen. Ein eingebauter Rechner zeigt, wie viel Geld und Lebenszeit man durch den Rauchstopp einspart. Durchdacht ist vor allem die „Lust“-Funktion, die man anwählen kann, wenn einem der Sinn nach einer Zigarette steht. Die App bietet daraufhin wahlweise Informationen oder – besonders effektiv – Ablenkung, um den schlimmsten Drang zu überstehen. Das klappt entweder mit einer Atemübung oder einem Anruf bei Freunden – schließlich hat man das Telefon schon in der Hand! Aber auch, wenn man doch einmal rückfällig geworden ist, baut einen die App mit motivierenden Sprüchen auf und gibt Tipps, wie man beim nächsten Mal besser durchhält. Sinnvoll ist auch die Push-Funktion, durch die sich das Programm immer wieder ins Gedächtnis ruft.

    Ohnekippe! (Kult AG/bluekey solutions GmbH & Co. KG)

    Auf die Kraft der Ablenkung setzt die App „Ohnekippe!“, die es sowohl für Apple-, als auch für Android-Smartphones gibt. Hier überzeugt vor allem die unkonventionelle Aufmachung: Eine große Schaltfläche lädt zum Abspielen des „Anti-Tabak-Songs“ ein, wenn einen der Drang zum Rauchen packt. Das Lied ist tatsächlich ein kleiner Ohrwurm und vertreibt die Lust aufs Rauchen effektiv – zumindest die ersten Male. Wer sich am Song sattgehört hat oder mehr Ablenkung braucht, findet auch einige Mini-Spiele, die ihren Zweck gut erfüllen: Die Hände haben etwas zu tun, der Verstand ist beschäftigt – und die Kippenschachtel bleibt geschlossen. Allerdings hält sich die App mit Informationen sehr zurück. Wer also daran erinnert werden will, warum er überhaupt mit dem Rauchen aufhören sollte, muss sich anderweitig informieren.

    QuitNow! (Fewlaps)

    Die App „QuitNow!“ versucht, werdenden Nichtrauchern auf mehrere Arten beizustehen. Zum einen bietet das Programm hübsch aufbereitete Infos und Statistiken rund um das Thema Nikotin und Rauchstopp. Auszeichnungen, die man nach mehreren rauchfreien Tagen erhält, steigern die Motivation. Eine Chat- und Community-Funktion sorgt dafür, dass man sich nicht allein mit seinem Kampf gegen den Tabak fühlt. Für alle, die auf diesem Weg nicht weiterkommen, hält „QuitNow!“ jedoch ein weiteres As im Ärmel: Eine Galerie zeigt die ekligen Auswirkungen des Rauchens auf den Körper: Geteerte Lungen, Raucherbeine & Co. lassen den Appetit auf die nächste Zigarette ganz schnell verschwinden.

    Get Rich or Die Smoking (Tobias Gruber)

    Gesundheitliche Schäden? Schlechter Geruch? Alles Nebensache! Bei der App „Get Rich or Die Smoking“ geht es nur um eines – Geld! Knallhart rechnet einem das Programm vor, wie viel Geld man mit dem Rauchen verpulvert und was man sich stattdessen alles hätte leisten können. Der Nutzer kann sich eigene Ziele setzen – zum Beispiel einen Kinobesuch, eine neue Jacke, ein Motorrad…. – und die App rechnet aus, wie lange man das Nichtrauchen durchziehen muss, um diesen Traum zu erfüllen. In der zugehörigen Community können sich Nutzer gegenseitig anspornen. Natürlich dreht sich aber auch bei „Get Rich or Die Smoking“ nicht alles nur um Bares: Die App bietet auch Infos zu den Gefahren des Rauchens und beobachtet auf Wunsch das eigene Rauchverhalten. Wer vor allem über das finanzielle Argument zum Aufhören zu bewegen ist, ist hier genau richtig.

    Rauchfrei per Videokurs – geht das?

    Das Internet hat auch etwas für diejenigen parat, denen das Faktenpauken und Fragebögen ausfüllen zu mühsam ist. Allein auf der Plattform Youtube gibt es zahllose Videos, die versprechen, den Wunsch nach Nikotin zu verringern. Zwar setzen auch einige der bereits vorgestellten Online-Programme auf Videoclips, nutzen die aber vor allem zur Information und Unterstützung. Im Gegensatz dazu soll sich der Nutzer hier allein durch das Ansehen der Filme von seiner Sucht befreien können. Einige Filmemacher versprechen sogar eine unterbewusste Wirkung ihrer Videos – die Wirkung tritt also ein, ohne, dass man etwas dafür tun muss.
    Einige der Online-Filme setzen auf hypnotisch kreisende Bilder und bedrohliche Beschwörungsformeln, andere lassen idyllische Landschaftsfotos und weitere beruhigende Aufnahmen über den Bildschirm flimmern. Als reine Audiodateien sollen einige der Angebote sogar im Schlaf helfen – nach Angaben der Hersteller nimmt man die heilenden Aussagen beim einmaligen Hören sogar zehnmal ins Unterbewusstsein auf. Im Praxistest fällt es enorm schwer, diese Aussagen ernst zu nehmen. Immerhin lenken die Videos während des Ansehens vom Griff zur Zigarette ab – und sind im besten Fall für einen Lacher gut. Im schlimmsten Fall sorgen die Filme für Frust und machen erst recht Lust auf eine Raucherpause. Als ernsthafte Alternative zu Raucher-Programmen mit Eigenbeteiligung taugen die Videos unserer Meinung nach nichts. Wenn wir eines der Angebote empfehlen wollten, wäre es am ehesten die meditative Variante, da sie für Entspannung sorgen kann und damit zumindest das Rauchen aus Stress verhindert.

    Echte Hilfe oder Schall und Rauch? – unser Fazit

    Die gute Nachricht: Wer mit dem Rauchen aufhören will, findet im Internet ein wahres Füllhorn an Hilfen. Allerdings sind nicht alle Infoseiten, Apps, Videos und Programme gleich sinnvoll. Während vor allem die interaktiven Programme in unserem Test gut ankamen, sorgten die Rauchfrei-Videos eher für ungläubige Blicke. Eine allgemeine Empfehlung lässt sich kaum aussprechen, denn jedes Angebot setzt andere Schwerpunkte und eignet sich so für den einen besser, für den anderen schlechter. Nichtraucher in spe, die ihre Hilfe immer dabei haben wollen, können auf Apps setzen – zumindest ist der Griff zum Smartphone ungefährlicher für die Sucht als die nächste Zigarette.
    Grundsätzlich können die Angebote aus dem Internet sehr hilfreich sein, den eigenen Kampf gegen den Tabak zu bestreiten. Eines ist jedoch allen Online-Helfern gemein: Ohne eigenen Willen und Antrieb geht gar nichts. Zwar schaffen es einige Programme sehr effektiv, ihren Teilnehmern effektiv in den sprichwörtlichen Hintern zu treten – aber wer nicht mit Überzeugung bei der Sache ist, hat kaum Chancen, das Qualmen sein zu lassen.

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