Pappe oder Plastik? Magic Cardboard VR-Brillen im Vergleich

Magic Cardboard VR Brille
Magic Cardboard VR Brille

Inhaltsverzeichnis

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    Cardboard Brillen gibt es mittlerweile noch und nöcher. Viele Hersteller springen auf den Virtual-Reality-Trend auf und bringen Papp- oder Plastikbrillen auf den Markt, die in Zusammenarbeit mit einem Smartphone einen Ausflug in virtuelle Welten versprechen.
    Aber was ist nun besser, ein Modell aus Plastik oder aus Pappe? Klar, Plastik wirkt wertiger, dafür haben Pappmodelle im Allgemeinen beim Preis die Nase vorn. Welche Unterschiede es sonst noch gibt, konnten wir selbst herausarbeiten. Zu Testzwecken kamen die Pappbrille Magic Cardboard V2 und die Plastikausführung Magic Cardboard MCB-X22 in unsere Redaktion.

    1. Plastik im Test: Magic Cardboard MCB-X22

    1.1 Der erste Eindruck

    Der erste Eindruck der Magic Cardboard VR-Brille ist unscheinbar. Sie wird in einem braunen Pappkarton geliefert. Der erinnert ein bisschen an die erste Papp-VR-Brille, mit der Google den VR-Trend ins Rollen gebracht hat. Neben dem Magic-Cardboard-Logo ziert die Verpackung lediglich eine Zeichnung des Inhaltes. Pompös geht anders, aber es zählen die inneren Werte.
    Im Karton verbirgt sich eine Mini-Anleitung samt Mikrofaser-Brillenputztuch und vor allem eines: die Brille. Die ist nicht ganz so schlicht, wie es die Verpackung vermuten lässt. Sie ist schick in Schwarz und Weiß gehalten. Außerdem ist sie gepolstert und besitzt einen verstellbaren Kopfband. Dieser hat außerdem ein zusätzliches Band, das auf dem Kopf liegt. Das verspricht noch mehr Tragekomfort, doch dieses Versprechen kann die Brille nicht ganz halten. Sie sieht nämlich bequemer aus, als sie eigentlich ist.

    1.2 Tragekomfort im Praxistest

    VR-Brille Schaumstoff

    Das Polster ist zwar sehr weich, aber nicht dick genug. So drückt die Brille nach einiger Zeit auf Stirn und Nase.

    Am Kopfband gibt es kaum was zu meckern. Das ist elastisch und in der Länge verstellbar. Für Komforteinbußen sorgt allerdings die Polsterung. Die befindet sich vor den Linsen und soll dafür sorgen, dass die Brille zu feste gegen das Gesicht gedrückt wird. Das könnte auch ganz gut funktionieren, wenn das Polster dicker und weniger weiche wäre. Wir hatten in der Redaktion schon VR-Brillen mit dickerer und fester Polsterung, die zudem noch mit Kunstleder überzogen war. Die Magic Cardboard VR-Brille MCB-X22 besitzt im Gegensatz dazu lediglich sehr weichen Schaumstoff zur Druckminderung. Das klingt zwar ganz gut, ist es in der Praxis aber nicht. Der Schaumstoff ist nämlich so weich, dass das Plastik der Brille zumindest an der Nasenwurzel unangenehm stark durch die Polsterung gegen das Gesicht drückt. Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass diese Lösung immer noch besser ist, als bei den meisten Pappbrillen. Diese haben nämlich oft gar keine Polster. Kurze VR-Ausflüge lassen sich mit der MCB-X22-VR-Brille also machen. Auf Dauer wird der Druck allerdings unangenehm.

    1.3 Auf die Größe kommt es an

    VR-Brille Vorne

    Ist das Smartphone zu klein, kann zwischen den Lücken Licht einfallen. Das stört das VR-Erlebnis.

    In anderen Bereichen hat uns die Test-Brille schon besser gefallen. Einen Pluspunkt bekommt sie auf jeden Fall dafür, dass zum Lieferumfang eine kleine Plastik-Blende gehört, die bei Bedarf in die Brille eingesetzt werden kann. Gerade bei kleineren Handys ist das wichtig, denn ansonsten kann am Rand zu viel Licht einfallen und den Ausflug in die Virtual Reality trüben. Zu klein sollte das Handy aber ohnehin nicht ausfallen. Ausgelegt ist die VR-Brille für Smartphones mit einer Bildschirmdiagonale zwischen 4,7 und 6,5 Zoll – Standardgröße. Kleiner als 4,7 Zoll sollte das Smartphone tatsächlich nicht sein. Ein kurzer Test mit einem iPhone 5s mit vier Zoll hat gezeigt, dass über dem Telefon Licht einfällt. Daran ändert auch die Brille nichts. Wer allerdings ein Smartphone der passenden Größe hat, kann sich freuen. Die Linsen sind schön groß und die Auflösung gut. Außerdem wackelt nichts. Dank Schieberegler lässt sich die Brille auf die Breite des Telefons einstellen und eine ausreichend dicke Schaumstoffpolsterung am Verschluss der Brille drückt das Handy sanft aber fest gegen die Brille. Die Gefahr, dass das Handy rausfällt, besteht also nicht. Selbst bei heftigen Kopfbewegungen bleibt das Handy an seinem Platz.

    1.4 Handy-Anschlüsse sind zugänglich

    VR-Brille Handyhalterung

    Das Smartphone kann sicher in die Brille eingespannt werden.

    Im Gegensatz zu anderen VR-Brillen aus Plastik hat die Magic Cardboard VR-Brille übrigens nur eine Klemme, um das Smartphone zu befestigen. Die meisten Konkurrenzmodelle haben darüber zusätzlich noch eine weitere Klappe, hinter der das Handy komplett verschwindet. Die haben wir bei der Magic Cardboard VR-Brille allerdings nicht vermisst. Die Brille sieht zwar etwas weniger futuristisch aus, ist dadurch aber etwas leichter. Außerdem hat die offene Konstruktion den großen Vorteil, dass alle Anschlüsse des Telefons frei zugänglich sind. Wer also zwischendurch sein Handy aufladen muss oder Kopfhörer anschließen möchte, hat kein Problem.
    Eine zusätzliche Abdeckung haben wir nicht vermisst, aber dafür etwas anderes. Wie mehrere Plastik-VR-Brillen besitzt auch die Magic Cardboard VR-Brille keinen Magnetschalter. Zwar gibt es viele Apps und Spiele, die alleine durch Bewegung des Kopfes gesteuert werden, aber es gibt auch einige Apps, für die ein Magnetschalter nötig ist. Diese lassen sich mit der Magic Cardboard VR-Brille leider nicht gut bedienen. Allerdings gibt es eine Vielzahl an Apps, für die kein Magnetschalter nötig ist. Immer mehr Programmierer gestalten VR-Apps so, dass sie lediglich mit der Kopfbewegung gesteuert werden.

    1.5 Einstellmöglichkeit für Kurzsichtige

    Aber die VR-Brille hat ohnehin andere Vorzüge. Zum Beispiel ihre Größe. Wer eine schmale Brille gegen Fehlsichtigkeit besitzt, kann sie auflassen. Allerdings ist das nicht unbedingt nötig. Direkt an den Linsen lässt sich auch die Dioptrien anpassen, womit sich auch eine leichte Fehlsichtigkeit korrigieren lässt. Außerdem lässt sich der Abstand der Linsen zueinander noch anpassen – durch Schieberegler an der Unterseite der Brille.
    Gut gefallen hat uns auch das Schaumstoffstück, das genau in die Aussparung des Polsters passt und sich über die Linsen legen lässt. Das schützt sie während des Transports vor Schäden und Kratzern. Weiterer Pluspunkt: Die Brille besitzt einen QR-Code. Über diesen lässt sie sich schnell mit verschiedenen Cardboard-Apps paaren, also verbinden.

    1.6 Fazit

    Insgesamt hinterlässt die Magic Cardboard VR-Brille einen guten Eindruck, trotz kleiner Schwächen. Sie könnte zwar etwas hochwertiger verarbeitet sein, aber für den aufgerufenen Preis ist sie absolut in Ordnung. Etwas mehr als 20 Euro werden bei Amazon für die Brille fällig – ein fairer Kurs. Andere VR-Brille sind vielleicht komfortabler, kosten aber auch mehr. Wer also nicht unbedingt in eine Pappbrille schauen möchte, um virtuelle Welten zu erkunden, aber trotzdem keine großen Summen ausgeben möchte, der ist mir der Magic Cardboard VR-Brille bestens bedient!

    2. So schlägt sich der Pappkamerad: die Magic Cardboard V2

    2.1 Der erste Eindruck

    Magic Cardboard Pappe Hinteransicht

    Die Magic-Cardboard-Brille nach dem Anbringen der Polster und des Gurtes.

    Aufwendig verpackt ist die Pappbrille Magic Cardboard V2 nicht. Sie steckt lediglich in einem kleinen Pappschuber, aus dem sie schnell befreit ist. In voller Größe offenbart sie sich dann allerdings noch nicht. Vor dem Ausflug in virtuelle Welten ist Handarbeit angesagt, denn die Brille muss zusammengesetzt werden. Das ist aber ziemlich schnell geschafft. Auf dem Pappschuber ist zwar eine Anleitung abgedruckt, aber wirklich nötig ist die eigentlich nicht. Im Wesentlichen ist die Brille auch schon fertig zusammengebaut. Die Linsen sind schon drin, ebenso der Magnetschalter und die meisten Klettverschlüsse. An drei Stellen mussten wir die Magic Cardboard V2 noch auseinanderklappen und neu zusammenfalten. Das war in einigen Sekunden erledigt. Wer mag, kann dann noch das Nasen- und das Stirnpolster befestigen und zusätzlich den Kopfgurt. Alles wird angeklebt. Zusätzlicher Kleber ist allerdings nicht nötig. Folie vom Schaumstoff abziehen, auf die Brille kleben, fertig. Das einzige Manko: Aus der Anleitung ist nicht ersichtlich, wo die Polster genau angebracht werden sollen. Aber das konnte uns nicht wirklich aus dem Konzept bringen. Auf Amazon findet sich ein Bild der fertig zusammengebauten Brille samt Polstern. So konnten wir auch problemlos die Polster anbringen. Alles in allem hat die Arbeit samt Recherche bei Amazon keine fünf Minuten gedauert.

    2.2 Die ersten Schritte

    Magic Cardboard Pappe Handyschlitz

    In diesen Schlitz wird das Smartphone geschoben. Es sitzt zwar einigermaßen fest in der Brille, aber die Gefahr besteht, dass es an den Seiten herausfällt.

    Nach dem Basteln konnte es endlich losgehen. App runterladen, Handy rein und genießen. Das klingt fast so einfach, wie es ist.
    Denn um die Brille mit Cardboard-Apps zu verbinden, reicht es, den auf ihr abgedruckten QR-Code einzuscannen. Anschließend wird das Handy in die Öffnung vorne geschoben. Allerdings muss es die passende Größe besitzen. Wie beim Plastikmodell MCB-X22 darf die Bildschirmdiagonale nicht kleiner als 4,3 Zentimeter sein. Während bei der Plastikausführung Licht an einem zu kleinen Telefon vorbeikommt, gibt es beim Pappmodell ein anderes Problem. Die Bilder für das linke und rechte Auge liegen nicht richtig übereinander. Im Test sorgte dass dafür, dass wir das Bild doppelt gesehen haben.

    2.3 Die Verarbeitung

    Magic Cardboard Pappe Schalter

    Mit dem Magnetschalter können sich verschiedene Cardboard-Apps bedienen lassen.

    Der Zusammenbau ging schnell, aber trotzdem liegt die Plastikbrille beim ersten Eindruck vorne. Schließlich muss sie überhaupt nicht zusammengebaut werden. Auch in einem anderen Punkt hat die Papp-Ausführung das Nachsehen: Plastik fühlt sich einfach wertiger und stabiler an. Trotzdem kann sich die Magic Cardboard V2 sehen lassen. Im Vergleich zu anderen Pappbrillen macht sie eine sehr gute Figur und selbst die MCB-X22 hat in einigen Punkten das Nachsehen. Der Tragekomfort der Pappversion liegt zum Beispiel über dem der Plastik-Brille. Zwar sind die Polster an Stirn und Nase wesentlich dünner, aber die Brille liegt nicht so fest an und es gibt keine Plastikkanten, die sich unangenehm in die Haut drücken würden.
    Außerdem besitzt die Pappbrille einen Magnetschalter, mit dem sich verschiedene Cardboard-Apps bedienen lassen. Damit hebt sie sich von vielen Papp-Konkurrenten und der Plastikvariante ab. Aber es gibt andere Bereiche, in denen die Plastik-VR-Brille MCB-X22 besser abschneidet. Wer sein Handy in die Pappversion einlegt, sollte heftige Kopfbewegungen vermeiden. Während das Handy in der Plastikbrille eingeklemmt wird, wird es in die Pappbrille nur gelegt. Zwar verhindert ein Gummiband, dass das Smartphone zu schnell ins Rutschen gerät, aber richtig festhält es nicht. Außerdem sind die Einstellmöglichkeiten bescheidener, weil nicht vorhanden. Plastikmodelle wie die MCB-X22 erlauben es, sowohl die Dioptrien als auch den Abstand der Linsen zueinander einzustellen. Beides ist bei der Magic Cardboard V2 nicht möglich.
    Generell fühlt sich die Pappbrille einfach nicht so wertig an, wie die Ausführung aus Plastik. Das Kopfband wird lediglich mit Klettverschlüssen befestigt und der Magnetschalter hat keinen festen Druckpunkt, sondern wirkt etwas schwammig. Das ist aber nicht die Schuld der Magic Cardboard V2, sondern des Materials. Für eine Pappbrille ist die Magic Cardboard V2 nämlich eigentlich recht gut verarbeitet. Bereits die Polsterung und das Kopfband sind keine Selbstverständlichkeit. Und während eine Plastikbrille vergleichsweise schwer, groß und klobig ist, überzeugt die V2 durch ein geringes Gewicht und geringe Ausmaße. Außerdem ist sie natürlich günstiger. Etwa zehn Euro werden für das Modell fällig. Damit ist die Brille knapp halb so teuer wie die MCB-X22 aus Plastik. Dadurch eignet sie sich als nettes Mitbringsel für eine Party ebenso wie für die ersten kostengünstigen Schritte in virtuellen Welten. Die Abbildungsleistung stimmt und die Linsen sind gut verarbeitet. Auch Anschlüsse für Kopfhörer und Ladegeräte sind in der V2 gut zu erreichen. Alles in allem liefert die V2 also ein gutes Ergebnis ab.

    2.4 Plastik vs. Pappe – Fazit

    Einen klaren Sieger gibt es im Duell Plastik vs. Pappe nicht. Gerade der niedrige Preis macht die Pappbrille sehr attraktiv. Auch der Magnetschalter spricht für die Papp-Ausführung. Allerdings ist die MCB-X22 um einiges wertiger. Wer also längere Zeit Spaß mit der Brille haben möchte, sollte zum etwa 20 Euro teuren Modell greifen. Wer allerdings noch gar nicht weiß, ob VR-Ausflüge was für ihn sind, der macht mit der V2 definitiv nichts falsch.

     

     

     

    Die getesteten Produkte wurden uns unentgeltlich von den Herstellern zur Verfügung gestellt. Im Anschluss an die Tests werden die Produkte verlost oder gespendet.

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