Gibt es wirklich Geld zurück bei einem verspäteten Flug — wie gut stehen die Chancen?

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    Endlich Urlaub und ab in die Sonne. Was kann einem jetzt noch die Laune verderben? Probleme mit dem Flug. Dabei kann es von kleineren Verspätungen bis hin zum kompletten Ausfall des Fluges kommen. In Deutschland gibt es circa 40.000 verspätete Flüge pro Jahr. Dabei gibt bis zu 1,3 Millionen Menschen die davon betroffen sind. Viele haben ein Recht auf Entschädigung, wissen aber nichts davon. Denn bei Ärgernissen mit dem Flug kann am Ende noch Geld rausspringen. Um schneller und einfacher die entsprechende Entschädigung zu erhalten, gibt es Verbraucherschutzportale. Davon gibt es mehrere Anbieter mit dem gleichen Ablauf.

    Kampf gegen Windmühlen

    Wenn Privatpersonen gegen große Unternehmen vor Gericht ziehen wollen, gibt es zwei Nachteile. Es muss ein Anwalt hinzugezogen werden, welcher viel Geld kosten kann. Außerdem kann es bei juristischen Vorgehen gegen Airlines lange dauern, bis diese verhandelt werden. Daher findet man Abhilfe im Internet – Verbraucherschutzportale. Die Größten sind: wirkaufendeinenflug.de, fairplane.de, claimflights.de, flightright.de und euclaim.de. Diese Portale nehmen einem viel Arbeit und Kosten ab. Der Verbraucher muss lediglich angeben, um welchen Flug es sich handelt und wie lange die Verzögerung war. Natürlich können diese Verbraucherschutzportale keine Entschädigung rausholen, wenn die Verspätung weniger als drei Stunden beträgt. Bevor sich das ausgewählte Verbraucherschutzportal mit der betroffenen Airline in Verbindung setzt, erhält man auf der Homepage eine kostenlos Erfolgseinschätzung. Dafür sind nur ein paar Klicks notwendig. Für eine bessere Erklärung haben wir beispielhaft den Vorgang bei claimflights.de einmal getestet. Zuerst müssen die Flugnummer und das Datum des verspäteten Fluges eingegeben werden. Falls diese Informationen nicht vorliegen, gibt es am Seitenende eine Hilfestellung. Dort kann man entweder die zuständige Airline auswählen oder den Startflughafen. Weil uns kein echter Wir haben uns für die zweite Variante entschieden. Unser angeblicher Startflughafen ist Düsseldorf und das Ziel ist München. Im zweiten Schritt wird angegeben, wie groß die Verspätung bei Abflug sowie der Ankunft war. Außerdem der Grund für die Verspätung. Wir haben technische Probleme als Ursache für die Verspätung gewählt. Danach folgt der letzte Schritt. Für den Passagier ist dies der wichtigste – die Vergütung. Als erste wird ganz groß der mögliche Auszahlungsbetrag angezeigt. Uns stünden 183,06 Euro Entschädigung pro Ticket zu. Darunter folgt ein Vergleich der möglichen Entschädigung anderer Verbraucherschutzportale-. Weiter unten steht noch eine detailliertere Auflistung, wie sich die Zahlung zusammensetzt. Als Letztes müssen nur noch Kontaktdaten angegeben sowie Unterlagen des Fluges hochgeladen werden. Ist das alles erledigt, steht einem positiven Ausgang nichts mehr im Wege. Bei einem erfolgreichen Vorgehen gegen eine Airline, erhalten die Portale eine Provision. Diese ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich und liegt zwischen 22,5- und 25-Prozent, zuzüglich Mehrwertsteuer. Eines ist aber bei allen Portalen gleich. Sollte ein Anspruch auf Entschädigung erfolglos sein, entstehen für den Verbraucher keine Kosten.
    Es muss nicht immer Erfolg oder Misserfolg geben. Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit eines Vergleichs. Man kann die Entschädigung in drei Kategorien einteilen: Erfolg, Vergleich und Misserfolg. Davon hängt auch die Höhe der Entschädigung ab. Als Beispiel dieser drei Stufen haben wir uns flightright.de rausgesucht. Bei einem Erfolg erhält der Verbraucher 421,50 Euro. Sollte es zu einem Vergleich kommen, liegt die Entschädigung zwischen 0 und 421,50 €. Bei dieser Variante gibt es keinen eindeutigen Sieger. Das Ziel bei einem Vergleich ist, dass der Verbraucher eine angemessene Entschädigung erhält, diese der Airline aber nicht zu sehr schadet. Bei Misserfolg erhält der Verbraucher kein Geld, wie aber vorher schon erwähnt, fallen keine Kosten an. Diese genannten Zahlen sind schon die Entschädigung abzüglich Provision und Mehrwertsteuer von flightright.de. Um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden, ist bei wirkaufendeinenflug.de ist der Ablauf anders. Nach einer Erfolgseinschätzung erhält der Kunde nach wenigen Minuten ein Auszahlungsangebot. Dieser Betrag wird innerhalb von 48 Stunden überwiesen. Dabei ist es egal ob das Verbraucherschutzportal von der zuständigen Airline eine Entschädigung erhält oder nicht, der Kunde kann den vorher festgelegten Betrag behalten. Die Provision bei diesem Verbraucherschutzportal liegt bei 50-Prozent. Aufgrund eines höheren Risikos und der schnellen Vergütung, ist diese Gebühr verständlich.

    Rechte und Pflichten bei Verspätungen

    Ab einer Verspätung von drei Stunden haben Fluggäste Anspruch auf Entschädigung. Die Erstattung bewegt sich zwischen 250 und 600 Euro. Ab fünf Stunden Verspätung kann es soweit kommen, dass der Ticketpreis für den Flug komplett erstattet wird. Die Höhe der Entschädigung orientiert sich an der Distanz zum Flugziel.

    DISTANZ ENTSCHÄDIGUNG
    Flüge bis 1.500 Kilometer innerhalb EU-Ländern bis zu 250 Euro
    Flüge zwischen 1.500 und 3.000 Kilometer innerhalb und außerhalb EU-Ländern bis zu 400 Euro
    Flüge über 3.500 Kilometer bis zu 600 Euro

    Ob ein Anspruch auf Erstattung vorliegt, hängt vom Grund der Verspätung ab. Denn nur wenn die Airline verantwortlich für die Verspätung ist, hat der Fluggast ein Anrecht auf Entschädigung. Dazu zählen beispielsweise Beschädigungen am Flugzeug, fehlendes Enteisungsmittel im Winter oder technische Probleme an der Gepäckbeförderungsanlage. Bei außergewöhnlichen Umständen besteht kein Recht auf Entschädigung, egal wie lang die Verspätung ist oder ob der Flug ganz ausfällt. Zu diesen Umständen gehören unter anderem Streik, schlechtes Wetter oder Sperrung eines Flughafens. Ungefähr 90-Prozent der Fluggäste, die unter einer Verspätung leiden, wissen nicht, dass sie ein Anrecht auf Entschädigung haben. Dabei besteht das Recht rückwirkend bis zu drei Jahre nach dem Flug. Viele Anträge auf Erstattung werden von Airlines erst mal abgelehnt, obwohl diese gerechtfertigt sind. Weil die Anfragen in den letzten Jahren zugenommen haben, sind alle deutschen Flugunternehmen seit 2013 der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personalverkehr beigetreten. Diese Behörde ist zuständig für das Finden einer einvernehmlichen außergerichtlichen Lösung. Zusätzlich gibt es noch zwei weitere Dienststellen, die für den Flugverkehr zuständig sind: das Luftfahrt Bundesamt (LBA) und das europäische Verbraucherzentrum. Das Luftfahrt Bundesamt sorgt für die Einhaltung der Fluggastrechte-Verordnung. Bei einem gemeldeten Verstoß gegen diese Verordnung fordert das LBA eine Strafe von der jeweiligen Airline ein. Die geschädigten Passagiere haben davon keinen Vorteil. Sollte eine Streitigkeit mit einer ausländischen Airline vorliegen, kümmert sich darum das europäische Verbraucherzentrum. Hier erhalten Passagiere juristische Unterstützung gegen Airlines, deren Hauptsitz nicht in Deutschland, sondern einem anderen EU-Land liegt.
    Das größte Problem liegt bei Flügen außerhalb der Europäischen Union. Denn dabei ist der Abflugort entscheidend. Bei einem Flug beispielsweise von Deutschland in die USA gilt die Fluggastrechte-Verordnung. Anders sieht es aber bei gleicher Strecke aber umgekehrten Start und Ziel aus. Bei dem Flug aus den USA nach Deutschland tritt die Fluggastrechte-Verordnung nicht in Kraft. Diese zählt nur für EU-Mitgliedsstaaten. Das gleiche Problem besteht bei Anschlussflügen. Sollte der Flug innerhalb der Europäischen Union zeitgemäß starten aber während des Zwischenstopps Verspätungen auftreten, hat der Passagier kein Recht auf Entschädigung. Weil die Orte der Verspätung komplett außerhalb der EU-Zuständigkeit liegen.

    Fazit

    Damit Sie als Passagier in Zukunft für Unannehmlichkeiten bei Flügen entschädigt werden, fassen wir hier noch mal alles wichtige zusammen. Eine geldliche Entschädigung ist ab einer Verspätung von drei Stunden möglich. Bei Verspätungen zwischen zwei und drei Stunden muss die Airline ihre Passagiere verpflegen, sowie zwei Telefonate, E-Mails oder Faxe ermöglichen. Das Recht auf Entschädigung zählt auch bei sogenannten Billigfliegern, günstigen Flügen oder Pauschalflügen. Die zu zahlende Entschädigung kann höher ausfallen als die tatsächlichen Kosten des jeweiligen Tickets. Für einen schnelleren Ablauf und höhere Erfolgschancen sollten Verbraucherschutzportale zur Unterstützung hinzugezogen werden. Durch den regelmäßigen Kontakt mit Airlines sind diese Portale den Umgang gewohnt und kennen die besten Vorgehensweisen bei einer Forderung. Wir hoffen, dass bei Ihrem nächsten Flug alles glatt läuft. Falls nicht, sind Sie nun gut informiert, wann Ihnen eine Entschädigung zusteht.

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