Die volle Frische frei Haus?

Vier Kochboxen im Verbraucherwelt-Check

Inhaltsverzeichnis

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    Selbst und frisch kochen liegt zwar voll im Trend, aber vielen Menschen fehlt dazu die Zeit. Rezept aussuchen, einkaufen, abwiegen. Das raubt Zeit. Hier schaffen Kochboxen Abhilfe. Hello Fresh und Co. liefern Rezeptideen und abgewogene Zutaten ins Haus. Der Kunde muss nur noch schnippeln und kochen. In der Theorie. Doch was taugen die Boxen? Ist die Ware frisch? Schmecken die Rezepte? Ist das Kochen wirklich einfach?
    Wir haben vier Anbieter und deren Probierboxen getestet: Hello Fresh, Marley Spoon, Kochhaus und Kochzauber. Drei haben überzeugt, einer hat sich sehr früh disqualifiziert.

    Unser Vorgehen

    Das beste Rezept nützt nichts, wenn die Qualität der Lebensmittel nicht stimmt. Die haben der Koch David Jezierowski und Alessandro Maceri, Geschäftsführer des Restaurants Franz Ferdinand in Bochum, beurteilt. Gekocht haben anschließend Amateure aus dem Verbraucherwelt-Team – pro Box ein Gericht. Die Test-Köche beurteilten neben dem Schwierigkeitsgrad auch den Geschmack. Geliefert wurden die Boxen alle am selben Tag von UPS. Dank UPS Express Saver wird eine Zustellung bis 12 Uhr garantiert. Wer am Ende der Route des Zustellers liegt, bekommt aber trotzdem ein Paket, das mehrere Stunden im Lieferwagen verbracht hat. Das kann ein Problem werden, wie wir feststellen mussten. Am Tag der Lieferung (Freitag, 24. Juni) war es knapp 30 Grad warm. Die Isolierung der Boxen zeigten Schwächen. Schließlich handelt es sich um Pappboxen. Fleisch ist meistens mit einem Kühlpack zusammen in Wolle eingewickelt. Das reicht nicht immer.

    Hello Fresh

    Hello Fresh Kochbox

    Die Hello Fresh Kochbox

    Hello Fresh schlug sich im Frische-Check ganz gut. Das gelieferte Rinderhüftsteak hatte gerade mal 2,5 Grad. Vier Grad sollten es maximal sein. “Das Fleisch ist wirklich gut gekühlt”, so Koch Jezierowski. Aber auch Hello Fresh hat Schwächen. “Die Champignons schmieren”, lautete das Urteil vom Profikoch. Außerdem war der Ricotta zu warm. 14 Grad hatte der Frischkäse. Das Gesamturteil von Alessandro Maceri war trotzdem positiv: “Für den Preis ist das absolut okay.”
    44,99 Euro kostete die Probierbox und 39,99 Euro die Standart-Box. Die beinhaltet drei Gerichte für zwei Personen: ein asiatisches Hähnchengericht, Pasta mit Ruccola und Zucchini sowie Steaks à la Wellington im Blätterteig. Das letzte Gericht haben sich die Hobbyköche aus unserem Team vorgenommen. 45 Minuten sollte es laut Hello Fresh dauern. Realistisch. Ebenfalls realistisch: die Basiszutaten. Denn die Kochbox-Anbieter liefern nicht alles. Einige Zutaten müssen die Kunden im Haus haben. Beim Test-Gericht waren es Rinderbrühe, Öl, Salz, Pfeffer, Speisestärke und Senf. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, war aber nicht perfekt. Das Fleisch war etwas zäh, der Blätterteig dafür zu hell. Drei Minuten haben wir das Fleisch von jeder Seite angebraten, die Empfehlung lag bei zwei bis drei Minuten. Anschließend ging es für 15 Minuten in den Ofen. Ein bis zwei Minuten anbraten und 20 Minuten backen wären die bessere Wahl gewesen. Aber geschmacklich war alles in Ordnung.

    Marley Spoon

    Marley Spoon Kochbox

    Die Marley Spoon Kochbox

    In Sachen Kühlung lag Marley Spoon noch vor Hello Fresh. Das Filet vom Landschwein brachte es auf eine Temperatur von einem Grad. Die zwei gelieferten Becher Joghurt lagen bei 13 und 10,8 Grad. Überzeugen konnte auch der Rest. “Das Gemüse sieht sehr frisch aus”, erklärte Jezierowski. Sein Urteil: “Das wäre die Box, die ich nachkochen würde.”
    Gekocht hat aber nicht der Koch, sondern die Amateure. Und zwar Schweinefleisch-Souvlaki mit Tzaziki und Reisnudeln. Zwei Gerichte für zwei Personen gibt es bei Marley Spoon in der kleinsten Box. Das zweite Gericht: Indisches Ofengemüse mit Tomaten-Koriander-Salsa. 40 Minuten Zubereitungszeit veranschlagt Marley Spoon für das Souvlaki. Knapp 50 Minuten haben wir gekocht. Die Abweichung lässt sich verschmerzen. Dafür stimmten die Basis-Zutaten. Lediglich Salz, Pfeffer und Öl musste die Testküche hergeben. Das Ergebnis war solide. Das Fleisch war gar und zart und die Reisnudeln mit Tomate al dente. Geschwächelt hat das Tzaziki. Das schmeckte den Testessern gut, war aber wässrig. Laut Rezept musste nämlich kein Wasser aus den Gurken gepresst werden, wie es bei Tzaziki sonst üblich ist. Das Fazit: Das Gericht war nicht ausgefallen, aber lecker. Besonders positiv: Für das Souvlaki gab es edles Schweinefilet.

    Kochhaus

    Kochhaus Kochbox

    Die Kochbox von Kochhaus

    Etwas erlesener zeigte sich das Kochhaus. Eigentlich. Die Box hätte besser isoliert sein müssen. Die mitgelieferte Entenbrust war 21,8 Grad warm. Vier Grad wären in Ordnung. “Ich würde das nicht mehr essen”, lautet das Urteil von Jezierowski. Auch die Kräuter waren nicht mehr frisch und schwitzten in der Verpackung. “Die sind hin”, urteilte der Profi. Ebenfalls durchgefallen: das Obst. Die gelieferten Aprikosen waren matschig. Nur das Gemüse fanden die  Profis “in Ordnung”. Die schlecht gekühlte Entenbrust war ein klarer Fall für eine Reklamation. Die haben wir schnell mit einem Anruf erledigt. Das Gericht mit der Entenbrust wurde von der Rechnung gestrichen. Immerhin. Eine Ersatzlieferung oder Wiedergutmachung hat Kochhaus allerdings nicht angeboten. Die komplette Box mit zwei Gerichten für zwei Personen hätte 38 Euro gekostet. Statt Entenbrust mit Aprikosen-Erdnuss-Chutney haben wir eine Gazpacho aus dem restlichen Gemüse zubereitet. Das Gericht klingt etwas schnöde, aber durch Passionsfrucht hat die Gazpacho eine exotische Note bekommen. Geschmacksurteil: Lecker und ausgefallen.

    Kochzauber

    Kochzauber Kochbox

    Und die Kochbox von Koch-Zauber

    Ebenfalls leichte Kühlprobleme gab es bei der Kochzauber-Box. Die waren aber vertretbar. Das Schweinerückensteak hatte sogar eine sehr gute Temperatur von unter einem Grad. Nur das Geflügel lag bereits bei 8 Grad. Es roch zwar noch gut, musste aber noch am selben Tag zubereitet werden. Die Box mit drei Gerichten für zwei Personen gibt es für 39,00 Euro. Der Preis ist gut, hat aber einen Grund. Während die anderen Hersteller auf Markenware setzen, gab es bei Kochzauber die Joghurt-Eigenmarke vom Supermarkt. Die beiden Becher waren noch ausreichend gekühlt. Sechs und zehn Grad zeigte das Thermometer an.
    Dem Geschmack haben die günstigen Joghurts nicht geschadet. Auf die Teller kamen Schweinerückensteaks in Cranberry-Soße – dazu Schupfnudeln und Brokkoli. Das Rezept gab minutengenaue Angaben und das Fleisch war anschließend perfekt gegart. Besonders gefiel den Test-Essern aus unserem Team die fruchtig-säuerliche Cranberrie-Soße. Alles in allem hat das Kochzauber-Gericht den Test-Essern am besten geschmeckt. Und schick ausgesehen hat es auch. Das ist nicht unwichtig, denn das Auge isst mit.

    Preis Vergleich Kochboxen

    Die Kochboxen im Preisvergleich

    Fazit

    Einen klaren Sieger gibt es im Kochbox-Vergleich nicht. Das Kochhaus hat mit schlechter Kühlung und seinem Service Punkte verloren. Allerdings waren die Rezepte spannend. Bei Marley Spoon war hingegen das Tzaziki zu wässrig. Kochzauber hat geschmacklich am meisten überzeugt und hat generell die Nase leicht vorne, die Billig-Joghurts trübten allerdings den Eindruck. Hello Fresh lieferte hingegen relativ warme Milchprodukte. Einen Vorwurf müssen sich ohnehin alle Anbieter gefallen lassen: “Die müssen alle das Gemüse kühlen!”, sagt Gastronom Alessandro Maceri. Ein weiterer Kritikpunkt: Wer Kochboxen bestellt, bekommt nicht nur Essen, sondern auch viel Verpackungsmüll frei Haus. Immerhin besteht der größte Teil aus Papier und alles ist recycelbar. Bei Kochzauber liegt der Box außerdem eine Anleitung zum korrekten recyceln bei. Sehr schön: Die Kühlakkus bestehen aus Plastikbeuteln, gefüllt mit Eis. Hello Fresh bietet dafür an, die Kühlakkus selbst zu recyceln. Alle fünf Wochen kann der Kunde seine Kühlakkus gratis an das Unternehmen zurückschicken. Marley Spoon bietet sogar an, das komplette Verpackungsmaterial kostenlos zurückzusenden.

    Kriterien Vergleich Kochboxen

    Die Kochboxen im Vergleich

    Ein Pluspunkt für alle Kochbox-Anbieter: Es gibt keine Mindestlaufzeit. Spätestens am Tag der ersten Lieferung lässt sich jedes Abo kündigen – per Mail oder per Anruf. Geliefert wird übrigens nicht an jedem Wochentag. Das Kochhaus liefert von Dienstag bis Freitag, Hello Fresh (gegen Aufpreis von 2,49 Euro) zusätzlich am Samstag. Bei Marley Spoon kommt die Box dienstags, mittwochs oder freitags, Kochzauber liefert mittwochs bis freitags.
    Wer an einem der Tage zu Hause ist, auf der Arbeit eine Kühlmöglichkeit besitzt oder freundliche Nachbarn hat, für den sind Kochboxen eine gelungene Möglichkeit, Abwechslung und Frische in die Küche zu bringen. Die Preise sind zwar höher, als würde man die Zutaten selbst kaufen. Allerdings sparen Kunden viel Zeit und Benzinkosten. Außerdem sind die Zutaten in der Regel hochwertig, kommen vorportioniert ins Haus und die Gerichte sind lecker. Lediglich in Sachen Kühlung könnten die Anbieter nachbessern – das gilt in erster Linie für die Sommermonate.

     

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