Böllern, aber richtig: Darauf sollte man beim Silvester-Spektakel achten

So beginnt 2017 mit einem Knall – und nicht mit einem Besuch in der Notaufnahme

Inhaltsverzeichnis

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    Die Tradition, zum Jahresende böse Geister mit jeder Menge Krach zu verjagen, gibt es schon seit vielen hundert Jahren. Auch heute noch gehört es für viele Leute zu Silvester dazu, das alte Jahr nicht langsam ausklingen zu lassen, sondern es mit dem sprichwörtlichen Knall zu beenden. Böller, Heuler, Raketen, funkensprühende Batterien, Wunderkerzen und jede Menge sonstiger Licht- und Krachmacher liegen Ende Dezember wieder in den Regalen. Und die Leute kaufen, kaufen, kaufen – fast so, als wollten die vergangenen zwölf Monate nicht aus eigener Kraft verschwinden, sondern müssten erst mit explosiven Mitteln ins Nirvana geböllert werden. Natürlich spielt dabei auch der ästhetische Faktor eine wichtige Rolle. Auch nach vielen erlebten Silvesternächten sorgen die bunt leuchtenden Feuerpalmen im Himmel bei fast allen Betrachtern für beeindruckte „Aahs“ und „Oohs“.
    Silvesterfeuerwerk sorgt zwar für tolle Effekte, kann aber auch gefährlich sein, wenn man es nicht mit der nötigen Vorsicht verwendet. Das lernen die meisten schon als kleines Kind, aber längst nicht alle halten sich auch daran. Nicht nur die medizinischen Notaufnahmen im ganzen Land können davon ein Liedchen singen – mit der Zahl der versengten Finger, die in jeder Silvesternacht dazukommen, könnte man locker die Stunden bis zum nächsten Jahreswechsel herunterzählen.
    Um das schlimmste Unheil abzuwenden, hat der Gesetzgeber eine Reihe von Regelungen aufgestellt. Darin ist unter anderem festgehalten, wie die Feuerwerkskörper aufgebaut sein müssen, um überhaupt in den Handel zu gelangen. Aber auch die Böllernden sind in der Pflicht: Sie sollen sich so verhalten, dass niemand verletzt und kein Schaden angerichtet wird. Was man alles wissen sollte, um es in der Silvesternacht nach Herzenslust krachen zu lassen, fassen wir im Folgenden zusammen.

    1. Wer darf böllern?

    Normalerweise dürfen in Deutschland nur Personen mit Explosivstoffen hantieren, die entsprechend geschult sind – und auch das nur mit starken Einschränkungen. Wer was wann darf, wird im Sprengstoffgesetz (SprengG) und der Ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz (1. SprengV) bis ins Detail geregelt. Dass Laien (wie wir) auch ohne Sprengstoffschein an Silvester böllern und Raketen steigen lassen können, verdanken wir §6 Abs. 1 Nr. 4 SprengG. Die entscheidende Passage sagt aus,

    dass explosionsgefährliche Stoffe und Sprengzubehör […] unter bestimmten Voraussetzungen vertrieben, anderen überlassen, aufbewahrt oder verwendet werden dürfen.

    Also dürfen alle an Silvester zu Chinakracher & Co. greifen. Alle? Nicht ganz: Minderjährige dürfen Silvesterfeuerwerk weder kaufen noch abbrennen. Allerdings dürfen Jugendliche über 12 Jahre sogenanntes Kleinstfeuerwerk verwenden, zum Beispiel Knallbonbons und kleine Wunderkerzen. Entscheidend ist die auf der Verpackung aufgedruckte Kategorie. Was es damit auf sich hat, verrät der nächste Abschnitt.

    2. Welches Feuerwerk darf ich verwenden?

    Feuerwerk ist nicht gleich Feuerwerk – es dürfte jedem einleuchten, dass es zwischen einem Knallfrosch und dicken Böllern deutliche Unterschiede gibt. Damit es rechtlich keine Unklarheiten gibt, werden Feuerwerkskörper in Deutschland in Klassen unterteilt.

    ZUORDNUNG BESCHREIBUNG (LAUT § 6 ABS. 6 a 1. SprengV)
    Kategorie 1
    • geringe Gefahr
    • niedriger Schallpegel
    • darf in geschlossenen Bereichen verwendet werden
    Kategorie 2
    • geringe Gefahr
    • niedriger Schallpegel
    • nur zur Verwendung in abgegrenzten Bereichen im Freien geeignet
    Kategorie 3
    • mittelgroße Gefahr
    • nur zur Verwendung in weiten offenen Bereichen im Freien vorgesehen
    • Schallpegel darf die menschliche Gesundheit nicht gefährden
    Kategorie 4
    • sogenannte „Feuerwerkskörper für den professionellen Gebrauch“
    • große Gefahr
    • dürfen nur von ausgebildeten Fachleuten verwendet werden
    • Schallpegel darf die menschliche Gesundheit nicht gefährden

    An Silvester kommen nur Produkte der Kategorien 1 und 2 (gelegentlich auch als F1 und F2 für „Feuerwerk“ bezeichnet) in die Läden. Jugendliche ab 12 Jahren dürfen Feuerwerkskörper der Kategorie 1 kaufen und verwenden; Erwachsene haben darüber hinaus Zugriff auf Kategorie-2-Feuerwerk. In den Kategorien 3 und 4 finden sich Mittel- und Großfeuerwerke, die nur von ausgebildeten Fachleuten abgebrannt werden dürfen – auch an Silvester.

    Insiderwissen: Wer auch außerhalb von Silvester und Neujahr mit Feuerwerk hantieren will, braucht eine Bescheinigung, dass er im Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen geschult ist. Da diese Erlaubnis nach § 27 SprengG geregelt wird, ist oft auch vom 27er-Schein die Rede.

    Diese Einteilung gilt natürlich nur für Pyrotechnik, die auch in Deutschland zugelassen ist. In jedem Jahr bieten aber auch dubiose Quellen Feuerwerk an, das oft nicht mit diesen Richtlinien übereinstimmt. Vor allem selbstgebastelte Kracher sind ein großes Sicherheitsrisiko, aber auch Feuerwerkskörper aus dem Ausland dürfen nicht abgebrannt werden, da häufig die Qualität nicht stimmt. Wer sich nicht sicher ist, ob mit dem vermeintlichen Schnäppchen aus dem Hinterhof-Verkauf alles in Ordnung ist, sollte sich die folgenden Tipps ansehen.

    2.1 Woran erkenne ich zugelassenes Feuerwerk?

    Klar, Deutschland wird oft für seine übermäßige Bürokratie belächelt. Für alles gibt es entsprechende Regelungen, Gesetze, Paragraphen. Über Sinn und Unsinn kann man lange streiten – doch gerade bei Feuerwerk ergibt die Normierung Sinn, denn immerhin geht es dabei um Sicherheit und Gesundheit. Wer ein Produkt kauft, das nach den geltenden Bestimmungen hergestellt wurde, hat also die besten Chancen, nach der Silvesternacht noch sämtliche Finger bei sich zu haben. Aber worauf sollte man achten? Die wichtigsten Angaben sind:

    • das CE-Zeichen (stand ursprünglich für Communauté Européenne = Europäische Gemeinschaft); sagt aus, dass der Hersteller sich an die geltende EU-Richtlinien hält
    • nach dem CE-Zeichen folgen eine vierstellige Ziffer, die Feuerwerks-Kategorie – zum Beispiel F2 – und eine weitere vierstellige Ziffer (Beispiel: CE 0589-F2-0001)
    • dürfen nur von ausgebildeten Fachleuten verwendet werden
    • die BAM-Klasse (leider keine Lautmalerei für den entstehenden Knall, sondern das Kürzel für die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung); Feuerwerkskörper dieses Typs sind also von der BAM geprüft und zugelassen. Die Angabe wird vervollständigt durch die jeweilige Feuerwerksklasse, zum Beispiel P II (das P steht für die Kategorie „Vergnügungsfeuerwerk“) und eine vierstellige Registrierungsnummer (Beispiel: BAM-PII-0001)

    Auch bei zugelassenen Feuerwerkskörpern kann man nur bedingt von Sicherheit sprechen – immerhin hält man explosives Material in der Hand. Beim Abbrennen der Pyrotechnik ist also immer auch ein gesundes Maß an Menschenverstand gefordert. Wer sich an die Sicherheitsanweisungen auf der Packung hält, hat wenig zu befürchten. Wer allerdings mit den Böllern unsinnige Mutproben durchziehen will, sollte sich nicht wundern, wenn die „sicheren“ Kracher doch nicht so sicher sind.

    2.2 Anzeichen für ein illegales Produkt

    Das zuständige Bundesministerium des Innern (BMI) und die Polizei warnen regelmäßig vor illegalem Feuerwerk, das in Deutschland verkauft wird. Illegal heißt, dass die Raketen, Böller & Co. nicht mit den oben genannten Sicherheits-Richtlinien entsprechen. Wer solche Pyrotechnik dennoch abbrennt, macht sich strafbar. Viele Hersteller illegaler Feuerwerkskörper versehen ihre Produkte jedoch mit gefälschten Angaben, um den Verkauf in Deutschland zu erleichtern. Mit einem aufmerksamen Blick kann man jedoch schnell die Spreu vom Weizen trennen. Bei folgenden Anzeichen sollte man lieber die Finger von den Böllern lassen – wenn man sie behalten will:

    • fehlende CE- und BAM-Nummern
    • gefälschte CE-Nummern (erkennt man oft am zu kleinen Abstand der beiden Buchstaben; inoffiziell auch als Kürzel für „China Export“ bekannt)
    • falsche Registriernummer im CE-Vermerk (von der BAM geprüfte Produkte tragen grundsätzlich die Nummer 0589)

    Zwar verkaufen viele (Online-) Händler ausländische Ware zu erstaunlich günstigen Preisen. Womöglich spart man dabei allerdings am falschen Ende. Das BMI warnt bei der Verwendung von qualitativ unzureichenden Böllern vor gesundheitlichen Schäden wie Knalltraumata, Verbrennungen, Verlust von Gliedmaßen, Verätzungen, Atemnot und Lungenschäden. Und selbst, wenn nichts passiert, macht man sich immer noch strafbar, wenn man mit illegalen Feuerwerkskörpern hantiert. Laut BMI drohen Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder Geldstrafen bis zu 50.000 Euro – am Ende also doch ein ganz schön teures Feuerwerk.

    3. Wo darf ich böllern – und wo nicht?

    Feuerwerk Nacht

    Feuerwerk am Nachthimmel

    Wer sich nun absolut sicher ist, dass er ein einwandfreies Produkt gekauft hat, ist aber immer noch nicht aus dem Schneider. Denn böllern darf man nicht überall. In der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern sowie Kinder- und Altenheimen bleiben Chinakracher & Co. in der Packung (§ 23 Abs. 1 1. SprengV). Auch in der Nähe von Häusern mit Reetdächern und Fachwerkhäusern ist das Feuerwerk verboten – schließlich könnte eine verirrte Rakete solche Gebäude leicht in Brand setzen. Da die bunt explodierenden Flugkörper ganz schön weite Strecken zurücklegen können, sind mehrere hundert Meter Abstand eine gute Idee – schließlich hat die Feuerwehr in dieser Nacht auch so schon mehr als genug zu tun.

    Faire Nachbarn nehmen außerdem Rücksicht auf Senioren in der Umgebung und Haushalte mit Tieren – für Hunde und Katzen mit ihrem empfindlichen Gehör kann das Knallen und Blitzen an Silvester eine besonders schlimme Erfahrung sein. Zum Beispiel hören Hunde etwa doppelt so laut wie Menschen, Katzenohren sind sogar noch leistungsfähiger. Wie sich für die Vierbeiner das Spektakel an Silvester anhören muss, kann man sich leicht vorstellen. Wer eigene Haustiere hat, kann im Haus die Rollos herunterlassen, um zumindest das Blitzen des Feuerwerks auszublenden. Menschen mit Herz für streunende Katzen können zusätzlich Rückzugsorte bieten, indem sie zum Beispiel die Garage leicht geöffnet lassen. Wenn alles nicht hilft, gibt es leichte Beruhigungsmittel für Haustiere, damit die Nacht gut überstanden wird.

    4. Alles zu seiner Zeit

    Die Kracher sind zugelassen und weit und breit sind keine gefährdeten Menschen, Tiere und Gebäude zu sehen – dann kann es doch losgehen, oder? Nicht ganz! Wer direkt nach dem Kauf der Silvester-Knaller schon ungeduldig mit dem Feuerzeug hantiert, sollte lieber noch diesen Absatz zu Ende lesen. Denn Feuerwerkskörper der Kategorien 1 und 2 dürfen zwar schon ab dem 29. Dezember verkauft werden (§ 22 Abs. 1 1. SprengV), das Abbrennen ist aber nur am 31. Dezember und 1. Januar erlaubt (§ 23 Abs. 2 1. SprengV). Manche Gemeinden schränken diese Zeiten sogar noch weiter ein – Feuerwerk-Fans sollten sich also erst in der Zeitung oder im Internet schlau machen, ob die Zeit der brennenden Zündschnüre schon gekommen ist.

    5. Wissenswertes rund um die Böllerei

    Jetzt aber! Die Böller sind einwandfrei, nichts und niemand wird gefährdet und es ist endlich Silvester – also Feuer frei! Wer beim Spektakel bei Freunden und Familie Eindruck schinden will, darf sich hier noch ein wenig Angeberwissen rund ums Feuerwerk ausleihen.

    Damit die Explosionen der Raketen und die Funkenfontänen ihre Farben bekommen, sind verschiedene Zusatzstoffe in der Schwarzpulver-Mischung nötig. Ist etwa Kupferoxid oder Selen enthalten, sprühen blaue Funken, bei Bariumnitrat oder Zink grüne. Natriumoxalat und Kalziumkarbonat färben das Feuerwerk gelb und bei Strontiumsalzen und Lithium leuchtet alles tiefrot. Grelles Weiß entsteht durch Magnesium oder Aluminium, der typische Gold-Effekt wird meist durch Eisen oder Holzkohle hervorgerufen.

    Reste Feuerwerk

    Der Zauber ist vorbei und den Rest erledigt die Müllabfuhr

    Ein Böller der Kategorie 2 enthält bis zu 50 Gramm Schwarzpulver. Angeblich geht der Name auf den Franziskanermönch Berthold Schwarz zurück, der das Pulver im 14. Jahrhundert aus Versehen entdeckt haben soll. Wahrscheinlicher ist, dass das Schwarzpulver schon mindestens 100 Jahre vorher in China bekannt war und von dort aus nach Europa gelangte. Der Name Schwarzpulver kommt daher, dass es sich um schwarzes Pulver handelt – wer hätte das gedacht?
    Vorsicht, heiß: Bei der Verbrennung erreicht Schwarzpulver eine Temperatur von etwa 2.000°C.
    Die Zündschnüre an Silvesterfeuerwerk bestehen fast immer aus Visco. Das ist ein dünner Faden mit Schwarzpulver-Beschichtung. Eine Lackschicht macht die Zündschnur wasserabweisend. Nach dem Anzünden brennen Visco-Schnüre mit einer Geschwindigkeit von etwa einem bis anderthalb Zentimeter pro Sekunde ab.
    Böller ist auch der Name eines Waldgebiets in Thüringen. Mehr Feuerwerk als anderswo wird dort aber nicht abgebrannt. Allerdings kommt im Böller das ganze Jahr über Schwarzpulver zum Einsatz – Forstwirtschaft und Jagd spielen dort eine wichtige Rolle.
    Neben Verbrennungen zählen Hörschäden zu den häufigsten Silvester-Verletzungen. In Deutschland darf ein acht Meter entfernt explodierender Böller der Kategorie 2 eine Lautstärke von 120 Dezibel nicht überschreiten. Das ist die Schmerzgrenze des menschlichen Gehörs. Die meisten Knallkörper bleiben allerdings deutlich unter diesem Wert. Hörschäden können aber schon bei geringeren Dezibelwerten auftreten – vor allem, wenn der Abstand zum Böller zu klein ist.

    6. Fazit – Böller gut, alles gut

    Der Jahreswechsel bietet die einmalige Gelegenheit, es auch ohne 27er-Schein (siehe Punkt 2) einmal richtig krachen zu lassen. Wenn man dabei einige grundsätzliche Sicherheitsmaßnahmen beachtet und den gesunden Menschenverstand benutzt, kann dabei nicht viel schiefgehen. Vor allem beim Kauf der Feuerwerkskörper sollte man sich nicht nur von krassen Effekt-Beschreibungen leiten lassen, sondern auch nach den gesetzlichen Prüfsiegeln Ausschau halten. Das steigert die Chancen, dass alle einen wirklich guten Rutsch ins neue Jahr haben.

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